Nachtzug nach Tashkent

In der 2 Klasse ist alles offen, und es wird recht heiß

5 Stunden Aufenthalt in Taschkent. Ich radle in die Innenstadt und verbringe die Zeit im Park.

Dies ist nicht das Ufo aus Independence Day, es ist das Eisstadion
Die Taschkent Icetigers Juniors sind beim Konditionstraining. Die Treppe hoch auf einem Bein oder mit Beiden. Wow.
Das Kongresszentrum

Die Fahrt mit dem Zug nach Margilan.

Dazu windet sich der Zug 1000hm über einen Pass, an einer Kohlegrube vorbei, im Hintergrund die Stromfabrik.

Dazu windet sich der Zug 1000hm über einen Pass, an einer Kohlegrube vorbei, im Hintergrund die Stromfabrik.

Die Gebirgslandschaft tut mir sehr wohl.

Aber nur kurz, es geht die 1000hm wieder runter ins Ferganabecken einer sehr fruchtbaren Ebene. Sie hat nur einen schmalen Zugang zwischen Tajikistan im Süden und Kirgistan im Norden.

Im Ferganatal tickt eine Zeitbombe

In Sowjetzeiten wurden hier Yellowcakes hergestellt, das Zwischenprodukt bei der Herstellung von Uranbrennelementen. Es geht um das aufarbeiten des Erzes. Das Abfallprodukt ist trotz der Trennung noch sehr radioaktiv mit einer Halbwertszeit im Ewigkeitsbereich. Jedenfalls haben die Sowjets diesen Abfall in betonierte Mulde versenkt. Wenn diese durch die Zeit oder durch ein Bebe zerstört wird sind zwei Millionen Menschen betroffen da diese Gegend das Wassereinzugsgebiet großer Flächen ist.

Ich besuche die Stadt Margilan und quartiere mich in einem Hostel ein, welches einen sensationellen Innenhof besitzt

Mit dem Hostelbesitzer hab ich mich sofort gut verstanden, wir stellten fest dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben, wenn auch nicht der selbe Jahrgang. Ich hab ihn nach seinen Wasserkosten gefragt. Er konnte mit Preis pro m³ nichts anfangen, bis sich herausstellte dass ein Wasserzähler unbekannt ist. Es gibt nur Pauschalen pro Monat. Wasser 9€, Strom 14€ und Gas ebenfalls 9€.  Nach Abwasser hab ich leider vergessen zu fragen wie das funktioniert. Jedenfalls ist die Botschaft: Ressourcen sparen wird nicht belohnt.

Der eigentliche Grund meines Aufenthalts in Margilon ist die Seidenfabrik. Sie produziert wie vor hunderten vor Jahren. Gefärbt wird ausschließlich mit Naturfarben. Wie das von statten geht erklärt ein Rundgang alle Arbeitsschritte. Zuletzt natürlich noch der Laden. Von Tüchern bis zur Kleidung werden die Waren feilgeboten. Der Verkaufsraum selbst hat eine wunderbare Decke; er war mal eine Moschee.

Gewebt wird traditionell, bzw. auch maschinell. Jede Fau bedient 2 Maschinen. In der Maschinenhalle war es unglaublich laut. Nach meiner Frage ob die Damen denn keinen Gehörschutz hätten lautete Die Antwort: Usbekistan women are very strong.

Weiterfahrt, noch 10 km bis zu Grenze

Ich kam an einem Rosenfeld vorbei wo Frauen beim Hacken waren. Ich wollte das einfach nur fotografieren, doch erhielt ich die Geste ob ich nichts zu trinken hätte. Ist das zu fassen, die arbeiten in der Knallsonne und versorgen sich nicht ausreichend mit Wasser. Jedenfalls bin ich mit meinem Wasser auf den Acker gesaust und hab sie mit dem nötigsten versorgt, holte dann noch mein Pfund Kirschen die ich grad eben von einem Mann erstand, der auf der Straße seine eigenen Gartenkirschen verkauft hat.

Da haben sich die Damen riesig gefreut.

Später hab eine Melone mit 2 LKW-Fahrern geteilt. Teilen tut gut.

Noch eine letzte Nacht. Ich fand einen Zeltplatz auf der gegenüberliegenden Talseite eines Sanatoriums. Diese Einrichtungen sind hierzulande eher als Wellnesstempel zu verstehen. Morgens traute ich meinen Augen nicht, dort läuft ein Dromedar herum.

Was es sonst noch zu sagen gibt:

Der Chevrolet ist das Auto Usbekistans. Das betrifft 90 Prozent der Pkws. Der Südkoreanische Hersteller Deawoe hatte einen Kontrakt um hierzulande ihre Autos zu bauen. Nach einer finanziellen Schieflage des Konzerns übernahm die GM Tochter dieses Geschäft. Chevy made in Usbekistan. In Tajikistan ist das Auto der Nation der Opel Astra Kombi. Diese sind aber alle importiert.

Was noch:
Nirgendwo hab ich den Selfie Kult heftiger erlebt als in Usbekistan:

Der Umgang der Menschen untereinander habe ich als respektvoll und angenehm, der Umgang mit den Kindern von allen Altersklassen her sehr liebevoll erlebt. Mit den ganz Kleinen macht das richtig Spaß ein bisschen zu blödeln oder im Zug mal ein Schlaflied zu singen. Dann bricht auch manches Eis mit den Müttern. Kindersache ist Müttersache, anders als im Iran, dort sind die Väter weit mehr involviert, sie sind meist diejenigen die die ganz Kleinen tragen.

Im Nachhinein hätte ich auch eine Stadt liegen lassen sollen und stattdessen zum Aralsee zu fahren. Oder zum kläglichen Rest. Das werde ich nachholen.

Bis zum letzten Augenblick begleiten mich die Rose.

Der Grenzübertritt war unkompliziert, keine Frage nach Registrierung.

Ade Usbekistan

Lieber Mitreisende(r) bitte beachtet auch die Rubrik Der gute Zweck

Speziell erwähnen möchte ich eine angekündigte Sachspende von Sebastian Welte, Inhaber der Firma 5 Seen Solar in Herrsching der die Anlage mit den nötigen PV-Modulen bestücken möchte.
Danke Basti!

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