Almaty hat eine Hanglage. Ähnlich wie in Teheran sind die höheren Lagen die reichere Gegend, weiter unten die Ärmere. Almaty, früher Alma-Ata und ehemalige Hauptstadt Kasachstans ist Boomtown, jung chic, teuer, gepimpt. Die jungen Frauen sind teuer gedresst, die Männer präsentieren sich in Lexus und Landcruiser v8. In der Shoppingmall dachte ich, die Arcaden in Pasing wurden für das Prekariat erbaut.

Es reihen sich chice Straßenkaffees an Restaurants der besseren Sorte und ja, hier scheint der Kaffee den Tee abgelöst zu haben, Starbucks ist angekommen, die anderen auch: Mc D, KFC und Burger King.

Es hat einen wunderbaren Park, den ich täglich 2x besuche. Zum einen ist es kühl und lustig, da überall Kinder spielen, Straßenmusikanten machen ebenso gute Laune. Zum andern ist der Mittelpunkt die orthodoxe Kirche, wo ich Sonntagmorgen auch die Messe besuche.

Leider ist für die Musik ein gemischter Chor zuständig, nicht wie in Karakol der Männerchor. Auch gut, ist nur unserem Verständnis des Kirchenchors viel näher.

Hier ein paar Kostproben:

der gemischte Chor von Almaty
der Männerchor aus Karakol
der Männerchor aus Karakol

Im Park findet man auch das gewaltige Kriegerdenkmal, Almaty hat sehr viele junge Männer verloren.

Es gibt einen Hausberg, der von einer Seilbahnen bedient wird, Überblick ist prima. Das Hochhaus mit der Krone ist das ehrwürdige Hotel Kasachstan, davon noch später.

Auf dem Hausberg ist der Bär los. Riesenrad, Kettenkarusell, Autoscooter, Schießbuden, ein kleiner Zoo, und und und. In der Ferne die Stromfabrik. Den Blick Stadt vor Berge suche ich hier vergeblich. Aber die Stadt ist sehr grün durch zahlreiche Parks mit altem Baumbestand und Straßenalleen.

Im Hotel Kasachstan gibt es im 26sten Stock ein Restaurant. Etwas verzehren muss ich schon denk ich mir. Mangels Hunger entscheide ich mich für Bier, ist ja schon halb sechs. Ich frage nach Kasachischem, was verneint wird. Freudestrahlend offeriert mir der Ober es gäbe deutsches Bier, ein Warsteiner was ich vehement zurückweise, als Freund und Kenner guten Bieres geht das gar nicht. Wir einigen uns auf Miller was sich als Amibier herausstellt, besser als befürchtet. Das nur nebenbei. Die Aussicht ist sensationell. Die Glastürme symbolisiert Almatys bzw. Kasachstans Finanzwelt, dort wo Geld Geld erschafft. Sicherlich ein Grund warum Almaty so wohlhabend und eine Hipster Plastikwelt ist.

Im Süden Almatys ragt der Gebirgszug Zailyisky Alatau auf, der bis knapp 5000m wächst, und als Naherholungszentrum genutzt wird,

Immerhin ist die Stadt auch politisch. Dort begannen die Unruhen im Januar. Ausgangslage war die Einstellung der Gassubventionen. was die Preise an der Zapfsäule verdoppeln ließ. In diesem Klima entlud sich der Frust über das Regierungssystem. Der neue Präsident Tokayiev ließ die Proteste zwar resolut niederschlagen, man spricht von über 160 Toten in Almaty, doch nutzte er das Chaos, um den alten Präsidenten Nasarbayev zu entmachten und das total korrupte System ein Stück aufzulösen. Eine neue Verfassung wurde auf den Weg gebracht, welche kürzlich per Volksentscheid mit 77% gebilligt wurde. Das System Nasarbayiev schleicht sich aus. Die alte Verfassung war auf ihn zugeschnitten und totalitär. In seinem Größenwahn hat er die Hauptstadt Astana in seinen Vornamen umbenannt: Nursultan. Ich hab niemand getroffen der diesen Namen benützte.

Aufbruch zur letzten Etappe nach Bischkek, gut 300km.

Es dauert eine gute Weile, bis ich die Stadt hinter mir habe. nach knapp 90 km schlage ich mein Lager auf. Almaty ist nachts immer noch sichtbar.

Ich freue mich als mich am nächsten Tag eine Route über die Berge nach Kirgistan führen soll, abseits befahrener Straßen und nochmal auf 2700m, Gipfelbergtour im Hinterkopf. Aber als ich beim Einstieg in die Bergwelt einen Militärposten passieren will, werde ich aufgehalten, ein Weiterfahren verhindert. Die Kaserne wird benachrichtigt und eine halbe Stunde später stoppt in einer Staubwolke ein alter Lada. Die Hoffnung keimt, als mir einer der Buben zu verstehen gibt dass mir ein Sonderpermit ausgestellt werden wird. Mein Fahrrad bleib am Posten, wir steigen zu viert in den Lada. Doch wie alle außer mir wissen, muss das Fahrzeug angeschoben werden. Es steigt aber keiner aus, es muss von den undekorierten Soldaten angeschoben werden, was beim 5ten Versuch auch klappt. Herrlich.  stell dir vor es ist Krieg und keiner kommt hin.

In der Kaserne wird klar, der Übergang bleibt für mich gesperrt, und ich habe den Normalweg zu nutzen. Ich werde noch verköstigt, der Soldatenfraß ist grausam, aber ich esse trotzdem.

Die verbleibenden 60 km zum Highway sind wunderschön. Es geht durch Hügelland. Die Wiesen sind voller Blumen, in den Bäumen jede Menge Vögel, die Heuernte im Gange, die  Tiere bekommen exzellentes Futter,

Durch eine kleine Bergkette gehts hinunter in die Steppe und zum Highway

Nach 60 km endet der Stress mit viel Scherlastverkehr doch nach der Abzweige Richtung Kirgistan wird es zum Glück deutlich ruhiger. 20 km vor der Grenze beschallt eine Moschee die Umgebung.

Dort entdecke ich einen Windpark mit knapp 40 Anlagen, doch nur 6 drehen sich.

Übrigens besitzt Kasachstan wertvolle Dinge im Boden, eines davon ist Uran. Hinter Australien das Land mit den 2 größten Uranreserven und schickt sich an, Europas größter Importeur zu werden.  Die Russlandsanktionen beinhalten nicht den Handel mit Uran. Kasachstan plant die Eröffnung der weltgrößten Uranmine durch Lösungsbergbau. Hierzu werden an den Rändern Gebiets in Injektionsbohrungen verdünnte Schwefelsäure eingepresst und im Zentrum saugt die Förderbohnung den Schlamm ab.

Die Methode verhindert die Kontaminierung der Umgebung mit Radioaktiven Staub, wie das beim konventionellen Bergbau der Fall ist. Außerdem ist es deutlich preiswerter.

Deshalb wird Kasachstan Australien, den Niger und Russland in der Fördermenge bald hinter sich lassen.

Am Grenzort seh ich noch die gewaltige Stretchlimo von Hummer.

Problemloser Grenzübergang. Ich könnte noch am selben Tag, bis Bishkek durchstressen, doch entscheide mich zu einem kleinen Umweg zu einem kleinen Stausee und finde einen wunderbaren Zeltplatz.

In der Ferne erkenne ich einen heftigen Brand. Auf Maps muss ich erkennen, es ist die zentrale Mülldeponie von Bishkeck. Es brennt noch die ganze Nacht. Luftlinie ca. 7km.

Morgens qualmt es noch beträchtlich, nur wenige Flammen züngeln. Die Rauchfahne ist beträchtlich. Zwar gibt es ein Bauverbot für mehrere Kilometer Umkreis, die Realität ist anders.

In Bishkeck quartiere im mich bei den Damen von Nomads Home ein. Ich bin dort vor 4 Jahren schon abgestiegen und ich werde wiedererkannt. In den 2 Corona Jahren hatten sie keine Gäste und konnten nur mit der Hilfe der Familie weiterleben, und fangen jetzt an die Schulden abzustottern. Viele Gäste haben sie nicht, bei einer Durchsicht des Gästebuchs erkenne ich mich als den ersten Deutschen seit Corona. Das war vorher ganz anders. Viele Russen kommen, da sie nicht nach Europa reisen können.

Auch hier gibt es eine orthodoxe Kirche, Komme leider erst zum Ende der Messe, aber das Glockengeläut ist sehr lustig.

Der Oshbazar ist der Größte des Landes. Dort gibt es nichts was es nicht gibt. Über den Sonnenstand finde ich auch wieder heraus.  Ein Tabakhändler schimpft über die großen Zigarettenhersteller wie Reemtsma, da sie ihren Tabak mit alle möglichen Giftzeugs verunreinigen, seiner wäre handwerklich, quasi ein Gesundbrunnen.

Ich werde eingeladen mein Fahrrad für die Zeit meines Besuchs im Bazaar im Büro der dortigen Polizeistation unterzustellen. Wir unterhalten uns lange. Ich zeige meine Fotos der Müllhalde. Nun hätte sich endlich ein Investor für eine moderne Müllverwertungsanlage gefunden. Beim Ukraine Krieg meinte er: Nur Allah wisse wer die Weltpolitik bewegt, er wünsche sich nur Frieden für die Welt.

ein bayerischer Brauer hat sich vor 20 Jahren in Bishkek niedergelassen und produziert dort 4 Sorten sehr leckeres Bier, welches im Biergarten der Brauerei verköstigt werden kann, nebst importierten Schweinshaxen mit Krautsalat.

Heute Nacht werde ich von meiner Vermieterin zum Flughafen gefahren, um halb 6 morgends gehts über Istanbul nach München. Einen Beitrag werde ich noch schreiben. Übers Heimkommen und über die Themen die ich vergessen habe.

Ciao Zentralasien. Es fühlt sich seltsam an.

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One response

  1. Ciao Du wunderbarer Exotisch Reisender Neugieriger interessierter ausgegeliechener Schreiner Meister
    Ich wusst ja Gar nicht dass Du so weltgereist und zugewand bist !
    Fantatsico ich habe Deinen Post erst jetzt entdeckt und werde diesen nun auf die leztzte Strecke unsere
    Kunden (180) kundtun damit Sie auch an Deiner wundervollen Reise teilnehmen können ..

    DANKE Dank e mille rgacie für diese tollen Impressionenen und direkten Eindrücke Dieser Reise ,, die DU so schön und ehrlich beschreibst .. Du bist ei Dimensn ganz kostbarer und wunderviller Erden Mensch .. mit Hingabe und Rrespekt vor Allem Lebenden !

    Chappeau ! mein Bester Bernhard !

    Grüße aus dem PAradieschen Obermühlhausen !
    Freue mich um so mehr auf ein Wiedersehen ..
    Da tun sich ganz neue Dimensionen auf und ich bin hell auf Begeistert für Dein Projekt das DU da somit fördern willst .. ich tue es “Allen” kund !

    cheerio
    der Stefano

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