Der Wohlstandsabfall ist eklatant. Usbekistan hat ein ordentlich gemauertes Grenzgebäude, Kirgistans ist eher ein Wellblechkonstrukt. Der Übergang ist direkt Osch, die 2 größte Stadt des Landes. Ich habe mich hier vor 4 Jahren für 4 Tage eingemietet, um mich von der Pamirtour zu erholen. Osh hat nicht viel zu bieten, außer dem Basar und einem Vergnügungspark am Fluss entlang mit netten Biergärten. Deshalb wechsle ich eben Geld, besorg mir eine SIM, Lebensmitteleinkauf und fahr zum Busbahnhof. Busse wie wir sie kennen fahren in Kirgistan nirgendwo, es sind ausschließlich Kleinbusse bis zu 18 Personen, die sogenannten Maschrutkas. Ich nehme diese Verbindung von rund 100km nach Dschalalabad da die Gegend dicht besiedelt ist, und ich bräuchte in meinem Fall eine Übernachtung und das kann schwierig werden.

Im Bus direkt hinter mir sitz eine junge Frau und spricht mich in bestem deutsch an. Sie hat in Taschkent auf dem Goethe-Institut Deutsch gelernt und in Freiburg 6 Monate in der Gastro gearbeitet. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und Pharmakologin. Im Krankenhaus verdient sie 220€. Davon kann man auch in Kirgistan nicht existieren, weshalb sie mit ihren 33 Jahren noch bei den Eltern leben muss. Der Traum: natürlich Deutschland. Mal schauen was geht.

Ich hab fast vergessen wie grün das Land ist, der Preis, es regnet zu dieser Zeit häufig.

Mein Plan, über den Kaldamo-Pass (knapp 3000m) nach Kazerman (Z wird immer als S gesprochen). von der Abzweigung zur Passhöhe sind es 44km bei 1650hm. Doch gleich zu Beginn, in den noch bewohnten Gebiet haben mir alle Leute gedeutet, der Pass wäre geschlossen, unbefahrbar. Mal schauen, schlimmstenfalls umdrehen. Die Talanfahrt wunderbar grün, die Straße eine schlechte Kiespiste.

Dort muss ich hin, die Zielgerade am Pass

Aber gleich am eigentlichen Anstieg hat eine Lawine die Straße vernichtet. Ein Fahrrad kann man immer übertragen. So ging das mehrere Male, dass die Straße teilweise oder gar nicht mehr existierte, seis durch Schnee oder Wasser Steine und Felsen auf dem Weg, nur noch schieben hilft.

Ich weiß nicht was dies für Greifen sind, vielleicht findet es jemand heraus, und berichtet mir. 3 waren es, so eindrucksvoll, die Mühsal hat sich schon gelohnt. ich war erst um 17.30 am Pass

brauchte einen ganzen Tag für die letzten 30km. Und drüben, 1 km entfernt arbeitet sich eine Schubraupe durch den Schnee. Einer jener alten russischen Geräte, wo sich der Himmel bei Arbeitslast verdunkelt. Die Raupe wühlte sich erst genau heute nach oben und bahnte mir den Weg, denn auf dieser Seite lag der Schnee noch weit nach unten. Leider hab ich das Gerät nicht fotografiert. Welch ein unglaubliches Glück ich immer wieder habe.

So konnte ich noch weit abfahren, oben wäre es nachts nicht gut gewesen, Erschöpfung und Kälte sind keine guten Partner. So war ich der Erste in 2022 der den Pass überfahren hat. Etwas Stolz darf sein.

Abfahrt

Kirgistan hat ein Müllproblem

Das Müllproblem ist hierzulande ungelöst. In den Städten Bishkek und Osh gibt es mittlerweile eine Müllabfuhr, doch ⅔ der Siedlung ist ländlich. Die organisieren das Thema selbst durch Ablagerung oder er wird einfach verbrannt. Auch in diesem Hochtal gibt es eine Grube in welche der Kunststoffmüll verbracht wird, nur dass ein Sturm diesen wieder verteilt. Beim Einkauf bekommt man auch für jede Winzigkeit eine Plastiktüte. Das Bewusstsein in der Breite ist nicht vorhanden, die leere Getränkedose oder Flasche fliegt da gern aus dem Auto. Die Gesetzgebung ist eindeutig doch die Umsetzung mangelhaft. Und ganz ehrlich, der Müll nervt mich kolossal. Trotz allem
Die Landschaft ist atemberaubend

Ich hatte noch 900 hm auf 20km vor mir als ein Auto neben mir hielt, und schon den Kofferraum öffnete. Ich ließ mich breitschlagen, im Nachhinein eine richtige Entscheidung, Der knackige Pass 2 Tage zuvor steckt mir noch in den Knochen. Aber nur bis zur Passhöhe. Das waren 40min Autofahrt, ich hätte einen ¾ Tag gebraucht.

Dennoch hinter der Windschutzscheibe fühlt sich die vorbeirauschende Landschaft wie ein Video an. Der junge Mann heißt Aslbek, bestimmt falsch geschrieben. Ich hab Aslbek noch 2 weitere male getroffen, leider wars mit der Kommunikation schwierig, wir waren uns recht sympathisch.

Auf der Talabfahrt treffe ich die Beiden. Wir liefern uns ein Rennen. Habe auf der schlechten Straße keine Chance.

Am Morgen die restliche Talabfahrt. Zunächst tauchen die glorreichen 3 auf.  Der Mariachititel Deguello aus Rio Bravo fehlt leider.

Entsprechend jung der Altersschnitt mit entspannter Atmosphäre. Ein tolles Kaffee mit flottem Wifi ist der richtige Ort, um diesen Beitrag zu verfassen.

Die Stadt ist ca. 5km lang und 500m breit ins Tal geklemmt

Entsprechend gibt es nur eine wesentliche Straße, der ÖPNV ist elektrifiziert.

Und im Theater tobt die Schlagerparade

aber barrierefrei

Die Friedhöfe sind immer verwaist. Die Menschen werden nicht alt. Dies ist schon ein gestandenes Alter. Ich hab nur einen Ausreißer entdeckt. Eine Frau wurde 82 Jahre alt.

Noch ein Wort zum Narynfluss

Er entspringt im Tien Shan im Grenzgebirge zu China, fließt im Ferganabecken mit einem anderen Fluss zusammen und wird dort zum Sydarja, läuft weiter über Tajikistan nach Kasachstan, um dort teilweise im Aralsee zu münden. Er durchquert somit 4 Länder Zentralasiens. Der Flusslauf birgt fast das Energiepotential der Wolga.

Die Kläranlage der Stadt  Naryn ist 50 Jahre alt, die Bevölkerung hat deutlich zugenommen. Somit transportiert der Fluss viele Dinge, die dort nicht reingehören, der Forellenbestand hat durch Wasserqualität und Überfischung deutlich abgenommen.

Würde ich nicht laufend vor Ort recherchieren würde ich Derartiges nicht mitbekommen.
Dieses ist in meinen Augen dem Reisen unbedingt geschuldet.

Das Naryn Hostel in dem ich residiere gibt es einen Speiseraum im Garten.

Ilim der Hostelier erzählt mir, das Gerüst wäre noch von seinem Großvater.

Ich habe einmal den Abbau einer Jurte erlebt. Es gibt keine Schraube oder Nagel, nur Verschnürungen. Die Behausung wurde von 4 Leuten abgebaut und war nach 1 ½ Stunden auf dem Laster.

Meine kurze, aber gute und erholsame Zeit in Naryn ist zu Ende.

Ade, es geht weiter zum Issyk Kul.

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One response

  1. Lieber Bernhard, viele Pässe liegen nun schon hinter Dir, unglaubliche dein Weg und teilweise auf verschundene Wegen.
    Die Unwirtlichkeit ist ja schon ausserirdisch, aber das stimmt ja auch nicht, denn so ist “unsere” Erde, wahrscheinlich überwiegend.
    Wir wünschen Dir, das es weiter gut vorrangeht und die Freude dabei erhalten bleibt.
    Der Greifvolgel könnte eine Geierart sein, sagt mir mein Googlewissen.
    Liebe Grüße von Dixi und Katharina.

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